"Ich hab da nen Hund für Dich, ruf doch mal an," lautete die kurze, knappe Nachricht von Clarissa von Reinhardt auf dem Anrufbeantworter. Schon seit einiger Zeit hatten Norbert und ich mit dem Gedanken gespielt, Blacky eine Gefährtin zur Seite zu stellen, allerdings noch nicht die passende Hündin und Gelegenheit gefunden. Der Rückruf ergab folgendes Bild: Colliehündin, sechs Monate alt, aus Köln stammend, bisher bei einer drogenabhängigen Familie lebend, die die Hündin im Drogenrausch attackierte, tagelang in die Besenkammer sperrte, hungern ließ und zum bitteren Ende im Drogenrausch mit dem Messer "abstechen" wollte. Clarissa hatte die Hündin kennen gelernt, der Besitzerin zur sofortigen Abgabe geraten, die war allerdings erst dazu bereit, als die Situation eskalierte. Nach der Messerattacke im letzten Drogenrausch, verkaufte die Frau den Hund an "Häuser der Hoffnung". Clarissa organisierte eine Fahrkette für das Colliemädchen, sodass sich die Hündin zum Zeitpunkt des Telefonates bereits in Bernau am Chiemsee befand. Wir sollten so rasch als möglich mit Blacky kommen, um sie kennen zu lernen. Doch das war nicht so einfach: Mein Mann hatte die Teilnahme am Wien-Marathon 2004 inklusive liebevoller Betreuung durch mich zu Weihnachten geschenkt bekommen. Dieses Ereignis – verbunden mit monatelangem Training – konnten wir nicht so einfach ausfallen lassen. Also lief Norbert seinen Marathon, in 3 h 19´und setzte sich nach Heimfahrt, Dusche, Essen und kurzer Ruhepause mit Blacky und mir ins Auto, um an den Chiemsee zu fahren. Am Ankunftsabend war nur geplant, die Hündin kurz kennen zu lernen. Nur wir Menschen, ohne Blacky. Der Collie lebte damals bei Petra, einer Mitarbeiterin von Clarissa, ihrem Mann und ihren beiden Hunden. Das Kennen lernen war ein Desaster: Betty, wie sie damals hieß, war extrem angstaggressiv, attackierte uns wild, war völlig durchgeknallt. Ich machte mich klein, versuchte durch Nichtprovozieren zu erreichen, dass sie sich beruhigte und nach einiger Zeit gelang das auch. Nach etwa einer halben Stunde verabschiedeten wir uns, um für den nächsten Tag ein weiteres Treffen und die Zusammenführung mit Blacky zu vereinbaren.





