Ich war damals noch in Trainerausbildung bei animal Learn, hatte noch einige Monate bis zur Abschlussprüfung. Neben der Ausbildung war ich voll berufstätig, arbeitete mit Hunden im Kremser Tierheim und betreute dort die Franziskus Hundeschule. Unser Blacky war zum damaligen Zeitpunkt bei Spaziergängen noch ein sehr schwierig zu managender Hund. Meine erste Reaktion auf diesen Hund war daher ein empörtes: "Sicher nicht, diesen wahnsinnigen Hund nehme ich nicht, wie soll ich das denn alles schaffen!" Norbert sah mich an und sagte: "Aber hübsch ist sie schon, schlaf mal drüber." Er hatte so etwas wie Herzchen in den Augen und man muss zugeben – Betty war tatsächlich bildhübsch. Nächster Tag: Ich, beim Frühstück noch immer sehr aufgebracht, in der vollen Überzeugung, diesen Hund nicht zu nehmen. Beim Wiedersehen war Betty schon etwas freundlicher als am Vorabend, aber immer noch sehr distanziert. Wir verbrachten einige Zeit mit ihr, Betty taute etwas auf. Die Zusammenführung von Blacky und Betty übernahm Clarissa, sie funktionierte relativ rasch und problemlos. Wir verbrachten dann einige Zeit im Garten sitzend, die beiden Hunde bei uns, fuhren dann weg, um Blacky und Betty Auszeiten zu geben, kamen wieder, verbrachten Zeit miteinander, fuhren wieder weg und hatten dann ein sehr langes Gespräch mit Clarissa. Ich erzählte ihr alle meine Bedenken und Ängste, die Angst, diesem Hund nicht gewachsen zu sein, bei ihr zu versagen. Auch das Gefühl, das ganz anders war als bei Blacky – ihn wollte ich damals UNBEDINGT, egal was passieren würde, bei Betty war dieses Gefühl nicht da. Clarissa nahm sich viel Zeit, ging auf alles ein und sagte dann: "Du musst für Dich selbst entscheiden, wie Du Dich bei dem Gedanken fühlst, dass dieser Hund in irgendeinem Tierheim landet, oder Du bezwingst Deine Ängste und nimmst sie bei Euch auf." Lange Rede, kurzer Sinn: Wir fuhren mit Betty nach Hause. Ich saß bei ihr auf dem Rücksitz, nach etwa zwanzig Minuten hatte sie den Kopf auf meinem Schoß liegen und schlief die restliche Fahrt. Diese Nähe in den ersten Stunden verschaffte mir bei ihr für viele Wochen einen Vertrauensvorsprung Norbert gegenüber.





